Die Geschichte der Pfarrei

 
Frühgeschichte

Die ersten Siedler brachten den christlichen Glauben mit. Alte Heidenbräuche und das Christentum wurden wie vielerorts manchmal als ein und dasselbe angesehen. Auch Priester kamen selten in die Waldgegend. Nur zur Osterzeit kam der Pfarrer von Pfarrkirchen in die Gegend zur Abnahme der Osterbeichte. Der Hilfspriester musste sich in den entfernten Ortschaften oft tagelang zum Beichthören einquartieren. Wenn die Wege noch verschneit waren, mussten die Dorfbewohner den Schlitten ziehen, auf dem der Priester saß. Wegscheid wurde 1224 eine Pfarrei. Bis 1224 stand dort nur eine Taufkapelle, die Johannes dem Täufer geweiht war. Vor 1224 wurde jeden Samstag um 13 Uhr mit der Glocke ein Zeichen gegeben. Daraufhin versammelten sich die Gläubigen zum gemeinsamen Kirchgang nach Pfarrkirchen. Die Ranninger werden sich in Kappel zugesellt haben. Der Mautner von Wildenranna verlangte von seinen Untergebenen regelmäßige Erfüllung der Osterpflicht, Einhaltung der Festtage, Besuch des Gottesdienstes und Beachtung der Sonntagsruhe. Sonntagsentheiligung wurde mit 50 Stockhieben und Verlust der Freiheit bestraft.

Die frühere Dorfkirche – St. Anna Kapelle

Schon lange vor dem dreißigjährigen Krieg wurde im Osten der Ortschaft eine Kapelle erbaut. Diese wurde der Ortspatronin, der hl. Mutter Anna geweiht. Besonders in den Jahren nach dem furchtbaren Krieg, in denen hier die Pest wütete und den Großteil der Bevölkerung hinwegraffte, suchten die Menschen Trost und Hilfe bei der Patronin des Ortes, bei der hl. Anna. Des Weiteren berichtet die Chronik unter dem 9. Oktober 1832: Die Gemeindeverwaltung Wildenranna stellte ein von Josef Uhrmann (Bogner) als Gemeindevorsteher unterfertigtes Gesuch über das Pfarramt Wegscheid, an das bischöfliche Ordinariat Passau um gnädigste, bischöfliche Bewilligung zur Benediction der St. Anna Dorfkapelle Wildenranna. Nach Vornahme einer Prüfung über den baulichen Zustand, was zur Voraussetzung gemacht wurde, erging am 21. November 1832 vom bischöflichen Ordinariat Passau an Herrn Geistlichen Rat und Dekan Reisinger, in Wegscheid die Erlaubnis zur Vornahme der Benediction der besagten Kapelle. Nachdem die nötige Einrichtung besorgt war, wurde die St. Anna Kapelle am 23. Juli 1833 feierlich bendictiert und das erste heilige Messopfer gefeiert.

Der Kirchenbau

Die St. Anna Kapelle war über viele Jahrzehnte hinweg Mittelpunkt des kirchlichen Lebens der Dorfbewohner. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts kam es zum größten Teil aus Platzgründen und wohl auch aus Prestige zu Überlegungen, ein neues Gotteshaus zu erbauen. Über die genaue Vorgeschichte und den letztendlichen Entscheidungsprozess zum Engagement um die Errichtung einer Kirche, gibt es leider nur wenig zuverlässige Quellen. Es durfte allerdings der Bevölkerung nicht leicht gefallen sein, aus der immer da gewesenen Not heraus, auch noch die Opfer für den Bau einer Kirche zu erbringen. Nicht zuletzt ist es mit Sicherheit auch immer die Triebkraft von einzelnen Personen, die ein solches Vorhaben in der Bevölkerung zur Zustimmung und Begeisterung führen. Im März 1895 wurde ein Kirchenbauverein gegründet. Am 19.Oktober 1904 erging dann endlich über das königliche Bezirksamt Wegscheid an den Kirchenbauverein die Regierungsentschließung, daß die Grundmauern noch in diesem Jahre erbaut werden können. Unter Initiative von Expositus Schwarz wurde unverzüglich damit begonnen. Die Bauleitung unterlag dem Architekt Schott aus München, welcher auch die Basilika in Altötting und den „Bayerwald Dom“ in Zwiesel plante. Von den Baumeistern Johann Wilhelm aus Obernzell und Josef Wilhelm aus Untergriesbach wurde der Bau ausgeführt. Bei denkbar günstiger Witterung wurden die Fundamentmauern bis auf die Hauptportalseite am 22. November 1904 fertig. Nachdem ab Frühjahr 1905 wieder eifrig weitergearbeitet worden war, erfolgte am 13. Juni 1905 die feierliche Grundsteinlegung durch Domkapitular Franz X. Pöppl aus Regensburg.Am 24. August 1909 wurde die Kriche durch seine Exzellenz Bischof Sigismund Felix von Passau feierlich konsekriert. Die Reliquien wurden ins Schulhaus gebracht, in dem ein Altar errichet worden war.